





Im Frühling schenken junge Eukalyptusblätter warmes Rostorange, im Sommer liefern Tagetes klares, aber milchiges Gelb, im Herbst verdichten Walnussschalen erdnahe Tiefen, und im Winter retten Zwiebelschalen jede Nuancenlust. Trocknen auf Sieben, dunkel lagern, gut beschriften: Herkunft, Datum, Fundort. Sammeln Sie maßvoll, nie ganze Bestände. Gartenabfälle, Marktspenden und eigene Küchenschalen werden so zu Farben mit Charakter. Das Wissen um Saison und Herkunft verleiht jedem Leinenteil eine stille, fast kulinarische Handschrift, die Räume ruhiger und vertrauter wirken lässt.
Zellulose liebt Geduld: Pflanzen langsam im Wasser anwärmen, nicht kochen, sondern simmern lassen, damit Töne klar und nicht brüchig wirken. Ein langes, mildes Bad löst Pigmente behutsam. Vorfiltern verhindert Flecken. Mineralien im Wasser beeinflussen die Nuance; weiches Wasser lässt Farben offener strahlen. Ein kurzer Test mit Probenstoff vor dem Hauptbad spart Enttäuschungen. Wer den Duft der Brühe und die Wirkung der Zeit beobachtet, erhält überraschend komplexe, aber harmonische Erdfarben, die Leinen nicht beschweren, sondern fließend begleiten.
Ernte nur, was reichlich vorhanden ist, und lass genug für Insekten und Regeneration. Bitte um Erlaubnis in Gärten und Parks, respektiere Schutzgebiete, arbeite sauber und hinterlasse keinen Abfall. Küchenreste wie Zwiebelschalen, Avocadokerne und Tee bieten reichlich Farbe ohne Zusatzbelastung. Trocknen statt Eile, Beschriften statt Raten, Teilen statt Horten. Dieses Verhalten prägt den Charakter der Textilien. Wer achtsam sammelt, trägt dazu bei, dass die sanften Erdfarben nicht nur ästhetisch überzeugen, sondern auch als gelebte Verantwortung wahrgenommen und geschätzt werden.
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